Politik und Immobilienbranche hören einander zu
3. Hessen-Dialog auf der Expo Real
Auf der Expo Real bleibt neben dem Geschäft auch noch Zeit für Hintergrundgespräche zwischen Politik und Immobilienbranche: Zum dritten Mal lud die Hessen Agentur im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung zum Forum „Hessen – Dialog mit der Immobilienwirtschaft“ ein.
Gekommen waren die Spitzen großer, zum Teil international agierender Immobilien-Unternehmen und die Vertreter der Regionen Rhein-Main, Nord- und Mittelhessen sowie Planungsexperten. Inhaltlich widmeten sich die Teilnehmer der von der Immobilienökonomin Alexandra May moderierten Veranstaltung den vielfältigen Schnittstellen von Politik und Immobilienwirtschaft. Um ein effektives Zusammenspiel zum Nutzen beider Partner zu erreichen, gelte es, die jeweiligen Spielregeln zu respektieren. Wolle eine Kommune etwa ein großes Hotelunternehmen für eine Ansiedlung gewinnen, müsse sie erst ihre Hausaufgaben machen, betonte Christine Mayer von der Frankfurter HOTOUR Consulting GmbH. „Führen sie eine Potenzialanalyse durch und schaffen sie die baurechtlichen Voraussetzungen. Machen Sie es Investoren und Betreibern so einfach wie möglich, sich für sie zu entscheiden!“ Gleichzeitig müssten Immobilienunternehmen die Planungshoheit der Politik akzeptieren. Es sei gerade in einem Ballungsraum wie dem Rhein-Main-Gebiet nicht möglich, Einkaufszentrum neben Einkaufszentrum auf die grüne Wiese zu setzen, ohne die Vitalität der Innenstädte aufs Spiel zu setzen – auch wenn dies für Investoren noch so reizvoll und lukrativ sei.
Mittelhessen war durch seinen Regionalmanagementverein vertreten, dessen Geschäftsführer Dr. Matthias Leder eine weitere Möglichkeit ansprach, die Innenstädte zu stärken: durch die erfolgreiche Etablierung der Business Improvement Districts (BIDs) in Gießen: „Hier haben sich kreative Unternehmer zusammengetan und mit Unterstützung der IHK durch Infrastrukturmaßnahmen und neue Konzepte viel erreicht. Neben der Belebung dieser Areale haben sich die Standorte mittlerweile zu 1A-Lagen entwickelt.“ Mit seinem erfolgreichen Konzept habe das „BID Seltersweg“ den BID-Award 2010 gewinnen können, so Leder.
Regierungspräsident a.D. Wilfried Schmied, Vorsitzender des Vereins MitteHessen, verwies bei der Vorstellung der Region auf die erfolgreiche Umwandlung von ehemaligen Militärflächen in Wetzlar, Marburg und Gießen, die man mit neuem Leben gefüllt habe. „Entweder durch die passgenaue Ansiedlung von Unternehmen oder die Sanierung und Vermarktung des Wohnungsbestandes“. Schmied plädierte für mehr interkommunale Zusammenarbeit bei der Ausweisung von attraktiven Gewerbeflächen in Mittelhessen nach nordhessischem Vorbild.
Im Anschluss besuchte der hessische Umwelt-Staatssekretär Mark Weinmeister den Mittelhessenstand auf der Expo Real. Dort zeigte er sich angetan von der Vielfalt und dem Angebot der Aussteller aus der Region. Weinmeister, der als Vertreter der hessischen Landesregierung am Hessen-Dialog teilgenommen hatte, war kurzfristig für Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch eingesprungen, der ursprünglich nach München kommen wollte. Sein Fehlen stieß auf Kritik und Unverständnis: „Drei Ministerpräsidenten und 18 Länderminister besuchen ihre Unternehmen und Regionen hier in München. Hessen als ausgewiesener Immobilienstandort wird durch Poschs Absage deutlich unter Wert verkauft“, sagte der Frankfurter IHK-Präsident Dr. Mathias Müller.
Konjunktur und Zinsen beflügeln Investoren
Mittelhessische Aussteller registrieren auf der Expo Real steigendes Interesse
Im gesamten Markt für Gewerbeimmobilien ist auf der Münchener Messe Expo Real eine deutliche Belebung spürbar. Banken, Investoren und Projektentwickler geben sich an den Ständen die sprichwörtliche Klinke in die Hand – immer auf der Suche nach einem guten Investment. Die Einschätzung, dass die Branche boomt, teilt auch Eugen Egetenmeir, Geschäftsführer der Messe München: „Es ist mehr Kapital da, als es Projekte gibt.“ Der Stimmungsumschlag in der Branche hatte sich angekündigt; das Transaktionsvolumen für Gewerbeimmobilien, vor allem Büros und Verkaufsflächen, und in geringerem Maße auch Produktionsstätten, hat sich in Europa im ersten Halbjahr 2010 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahezu verdoppelt. Und es soll in diesem Jahr auch noch weiter wachsen.
Vor allem in Deutschland machen sich Investoren auf die Suche. Neben dem anhaltend starken Wirtschaftswachstum beflügle deren Arbeit auch das niedrige Zinsniveau, sagt Dr. Peter Hanker, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Mittelhessen. Aber nicht immer würden Angebot, Preis und Renditeerwartungen auch zusammen passen. Der hohen Nachfrage stünden „zu wenige geeignete Immobilien gegenüber“. Gleichwohl habe er auf der diesjährigen Expo eine positive Grundstimmung registriert, die sich auch in vielen interessanten Gesprächen niederschlage: „Vor allem gut vermietete Bürogebäude und Wohnimmobilien werden nachgefragt. Großes Interesse gibt es aber auch an Konversionsflächen und ihren Immobilien wie den Wohnungen der ehemals amerikanischen Marshall- und Dulles-Siedlung, an deren Vermarktung wir beteiligt sind.“
Nach einem verhalten Start am Montag habe das Messegeschehen am zweiten Tag merklich angezogen, berichtet Gabriele Gotthardt, Leiterin der Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Tourismus beim Landkreis Gießen. „Wir haben eher wenige, aber dafür vielversprechende Kontakte aus dem Einzelhandelsbereich gehabt. Speziell Flächen für Fach- und Lebensmittelmärkte wurden nachgefragt“. Das Thema erneuerbare Energien, dass 2009 noch breiten Raum auf der Expo eingenommen habe, sei völlig von der Agenda verschwunden, sagt Gotthardt: „Möglicherweise ist das eine Konsequenz aus den neuen Prioritätensetzung und dem neuen Energiekonzept der Bundesregierung.“ Trotz des hohen finanziellen und personellen Aufwands sei es wichtig, auf der Expo Real präsent zu sein. „Der Wettbewerb der Regionen um potenzielle Investoren wird immer härter. Auf der Messe kann man sich bei nationalen und internationalen Unternehmen bekannt machen - der Wiedererkennungswert über eine kontinuierliche Teilnahme ist da natürlich hilfreich.“
Mit zehn Personen ist das Niddaer Bauunternehmen Adolf Lupp GmbH fast in Mannschaftsstärke zur Expo Real gekommen: „Es läuft sehr gut, im vergangenen Jahr war die Stimmung noch deutlich gedämpfter“, zieht Geschäftsführer Thomas Lupp ein positives Zwischenfazit. „Wir haben im Vorfeld etliche Termine mit potenziellen Kunden gemacht, darüber hinaus nutzen wir die Messe natürlich auch zur Geschäftsanbahnung und als Kontaktbörse“. Das Wetterauer Bauunternehmen ist heute einer der wenigen großen Mittelständler am Bau und einer der größten Arbeitgeber der Region Oberhessen.
Dr. Frank Hüttemann von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Marburg-Biedenkopf berichtet am zweiten Expo-Tag von vielen Kundengesprächen mit Firmenvertretern und Projektentwicklern. Erstmalig konnten die sich auf eigens angefertigten Fotokarten ein Bild von Gewerbeflächen und ihrer Umgebung machen. Als Standortvorteil sieht Hüttemann nicht nur das passgenaue Angebot an entwickelten Gewerbeflächen, sondern auch die Lage des Landkreises in der Bildungsregion Mittelhessen mit seinen gut 50.000 Studierenden: „Hier finden Arbeitgeber auch zukünftig noch hervorragend ausgebildetes Fachpersonal“. Unterstützung bekam Hüttemann am Dienstag von Jochen Kirchner. Der Bürgermeister der Stadt Kirchhain konnte Interessenten Details eines städtischen Gewerbegebiets erläutern, dessen Vermarktung er als Geschäftsführer steuert. Kirchner lobte Konzeption und Lage des Mittelhessen-Standes in der Nähe der anderen hessischen Regionen: „Vielleicht wird ein potenzieller Investor von den Preisen im Rhein-Main-Gebiet abgeschreckt und lernt am Nachbarstand unsere Standortqualitäten auch auf diesem Gebiet schätzen.“
Geschäftsführer David Szegedi von der IMAXX Gesellschaft für Immobilien-Marketing mbH hat seit Sommer 2010 ein stark gestiegenes Interesse an Immobilien registriert – „und dieser Trend setzt sich auch auf der Expo nahtlos fort. Es scheint viel Geld im Umlauf zu sein“, bestätigt auch Szegedi eine vielfach geäußerte Einschätzung. Neben Kundengesprächen und Geschäftsanbahnungen nutzte IMAXX in München die Gelegenheit, ihre eigene Expansion voranzutreiben. Auf der Expo gab man die Gründung der „IMAXX GmbH - ein Unternehmen der Volksbank Limburg“ bekannt. Aufgaben-Schwerpunkt aller IMAXX-Gesellschaften ist das Immobilienmarketing sowie die Vermittlung von Immobilienmanagement und Finanzierungen.





