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Interview mit Wilfried Schmied

Regierungspräsident a.D. Wilfried Schmied,
Vorsitzender des Regionalmanagement-Vereins MitteHessen e.V.
Warum ist es für die Region Mittelhessen wichtig, sich gerade in den schwierigen Zeiten für die Immobilienwirtschaft auf der Expo Real zu präsentieren?
Der Immobilienmarkt ist nun mal der Ausgangspunkt für alle wirtschaftlichen Unternehmungen. Nur wenn es gelingt, in einem Wettbewerb, der natürlich gnadenlos ist, sich zu präsentieren und zu überzeugen, hat man eine Chance, auf dem Markt mitspielen zu können. Das war unsere Überlegung, als wir uns vor fünf Jahren erstmals die Region auf der Expo Real vorstellten. Mittlerweile wird diese Einschätzung von vielen Firmen, Kommunen und Landkreisen geteilt.
Wo liegt der Nutzen für die Standpartner?
Gerade die große Resonanz aus der Privatwirtschaft weist darauf hin, dass die Ergebnisse in Form von Kontakten und Aufträgen die Kosten aufwiegen. Die organisatorische und auch finanzielle Unterstützung durch MitteHessen e.V. macht es vielen Teilnehmern überhaupt erst möglich, sich auf einer großen und wichtigen Messe wie der Expo Real zu präsentieren. Mittlerweile hat sich der direkte und auch indirekte Nutzen für die Unternehmen herumgesprochen. In diesem Jahr haben wir mit 18 Standpartnern drei mehr als im vergangenen Jahr.
Immer noch Krise oder schon Lichtblicke - Welche Stimmung herrscht auf der Messe?
Nach dem absoluten Tief im vergangenen Jahr, als die Krise langsam sichtbar wurde, haben wir heute eine ganz andere Stimmung. Alle sind vorsichtig optimistisch. Es gibt keinen Anlass zur Euphorie, aber es gibt auch niemanden, der den Kopf hängen lässt. Ich bin überzeugt, dass diese Messe zeigen wird, dass Immobilienobjekte wieder akquiriert werden können und Beschäftigung erhalten werden kann. Ich glaube, von dieser Messe wird ein starkes Zeichen an die Branche ausgehen.
Starker gemeinsamer Auftritt in schwierigen Zeiten
Erwartungen der mittelhessischen Aussteller an die Expo Real am ersten Messetag
Starker gemeinsamer Auftritt in schwierigen Zeiten
(München, 5. Oktober 2009) Die Immobilienbranche schwankt zwischen Hoffen und Bangen. Nach dem Einbruch der internationalen Märkte mehren sich allerdings auch auf der Expo Real in München die Zeichen, dass die Talsohle erreicht sein könnte. Diesen Eindruck gewann die Mehrheit der 18 mittelhessischen Landkreise, Kommunen und Unternehmen, die in diesem Jahr am Gemeinschaftsstand der Region Mittelhessen auf der größten Immobilienmesse Europas präsent sind.
Die diesjährige Expo Real wird vor allem von Gemeinschaftsständen geprägt. Aussteller einzelner Länder, Regionen oder Städte schließen sich zunehmend unter einem Dach zusammen, um Kosten zu sparen und Synergien zu nutzen - ein Konzept, das die Region bereits seit dem ersten Messeauftritt vor fünf Jahren verfolgt.
Erwartungen der mittelhessischen Aussteller an die Expo Real am ersten Messetag
Mit den Gesprächen und Ergebnissen ist man am Mittelhessenstand nach Tag eins der Messe sehr zufrieden: Gerade von den gegenwärtig immer noch spürbaren Folgen der Finanzkrise erwartet Jochen Ahl von der IMAXX Gesellschaft für Immobilien-Marketing mbH, positive Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Der Grund: Die großen Immobiliengeschäfte mit einem Volumen von mehreren hundert Millionen Euro lägen derzeit wegen Schwierigkeiten bei der Finanzierung häufig noch „auf Eis“. Projekte mit einem Volumen zwischen zwei und zehn Millionen Euro würden hingegen stark nachgefragt – und in diesem Segment bewege sich IMAXX. Ahl: „Wir reden nicht nur über Geschäfte, wir machen sie.“
Positive Zeichen für eine Erholung will Rolf Witezek, Vorstand der Volksbank Mittelhessen, mit seiner Teilnahme an der Expo Real setzen: Angesichts zunehmender Transaktionen könnte von einer erfolgreichen Messe nach zwei Krisenjahren ein Signal für eine Trendwende in der Immobilienbranche ausgehen. „Es ist wichtig, hier zu sein, weil es mit der Immobilienwirtschaft wieder aufwärts geht“, so Witezek. Außerdem sei es für die gesamte Wirtschaft in Mittelhessen von Bedeutung, die Vernetzung der Region weiter voranzutreiben und sich bei solch großen Veranstaltungen wie der Expo Real gemeinsam nach außen zu präsentieren.
Auf die Notwenigkeit, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf Qualität und Nachhaltigkeit zu achten, wies der Geschäftsführer des Gießener Unternehmens bauWerk – Gesellschaft für Projektberatung und Baumanagement mbH, Rainer Vermelden, hin. Zwar habe die Krise der Finanzmärkte und die damit verbundenen wirtschaftlichen Verwerfungen derzeit das Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit aus den Schlagzeilen verdrängt, doch an der Notwendigkeit, in allen Bereichen des Lebens und damit auch in der Immobilienwirtschaft auf mehr Nachhaltigkeit zu achten, habe sich nichts geändert. Mit dieser Einschätzung steht er nicht allein. Die Expo Real hat dem Thema im Konferenzprogramm unter dem Titel „Nachhaltigkeit - auch und erst recht in schwierigen Zeiten?“ breiten Raum eingeräumt.
Dass der Gemeinschaftsstand der Region Mittelhessen auch für Teilnehmer aus den angrenzenden Landkreisen attraktiv ist, zeigt die Teilnahme der gepard services GmbH aus Butzbach. Das Unternehmen, das sich als eine effektive Kombination aus Ingenieurbüro und Baudienstleister sieht, beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Nutzung regenerativer Energien bei der Projektierung und Umsetzung von Immobilenprojekten. „Wir sind zertifiziert und beraten unabhängig von Energieunternehmen und Energieformen“, betont Geschäftsführer Andreas Maier, der eine Aufbruchstimmung in der Immobilienbranche ausgemacht hat und überzeugt ist, dass „jede Krise auch eine Chance ist“.
„Kontakte knüpfen und Aufträge generieren“ – diese Ziele hat sich die R.O.I. GmbH, Management für die Immobilienwirtschaft für ihre erste Teilnahme an der Expo Real gesteckt. Die R.O.I. GmbH gehört mit dem Geschäftsfeld Immobilien seit Ende 2008 zur mittelhessischen Lück Gruppe, die auch in den Bereichen Gebäudetechnik und Personaldienstleistungen tätig ist. Geschäftsführer Ulrich Urban ist von dem Nutzen der gemeinsamen Präsentation am Mittelhessenstand überzeugt: „Die Messe ist eine sehr gute Plattform, um unsere Leistungen im Immobilienbereich präsentieren zu können.“ In München tritt die R.O.I. darüber hinaus als Ideengeber für den Aufbau und die Wertentwicklung von Wohnimmobilienportfolien auf.
Der Vogelsbergkreis beteiligt sich bereits zum fünften Mal an dem Gemeinschaftsstand, der in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP) vom Regionalmanagementverein MitteHessen e. V. organisiert wird. Für Hartmut Greb von der Wirtschaftsförderung des Landkreises ist gerade das Miteinander von Unternehmen sowie Kommunen und Landkreisen der Region ein großes Plus dieses Konzepts: „Man wird einfach stärker wahrgenommen. Außerdem entstehen durch diese Vernetzung auch persönliche Kontakte, die bei der Entwicklung und dem Verkauf von Gewerbeflächen genutzt werden können.“ Den Vogelsbergkreis sieht er nicht nur bei der Entwicklung des Tourismus auf einem guten Weg. Durch die Erweiterung und Sanierung der Autobahn A5 und die geplante Fertigstellung der A 49 könne der Landkreis potenziellen Investoren gute Verkehrsverbindungen und geeignete Gewerbeflächen anbieten.
Rund 1600 Aussteller aus 34 Ländern präsentieren noch bis Mittwoch Dienstleistungen, Gewerbeflächen und Immobilienobjekte - 15 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Gleichwohl ist der Veranstalter Messe München nicht unzufrieden: Dies ist gemessen an der wirtschaftlich schwierigen Situation der Branche ein erfreuliches Ergebnis“, sagt Eugen Egetenmeir, Mitglied der Geschäftsführung. Der Messe komme zugute, dass sie mitten im deutschen Immobilienmarkt stattfindet, der sich gegenwärtig robuster als andere Märkte zeige. So ist nach Angaben der Messeleitung die deutsche Beteiligung stabil, der Anteil internationaler Aussteller mit rund 20 Prozent (Vorjahr 26 Prozent) dagegen etwas rückläufig. In diesem Umfeld konnte die Region Mittelhessen ihre Präsenz sogar noch steigern. Von 15 Standpartnern im vergangenen Jahr wuchs ihre Anzahl auf aktuell 18. Eine Entwicklung, die geeignet ist, die große Bandbreite an Möglichkeiten abbilden, die Investoren in der „Wissensregion“ in der Mitte Hessens erwartet.

