Serie: Weiterbildung zahlt sich aus
Im Herbst 2011 starteten der Gießener Anzeiger und die Zeitungsgruppe Lahn-Dill in Kooperation mit dem Arbeitskreis Weiterbildung im Regionalmanagement Mittehessen eine Artikelserie zum Thema berufliche Weiterbildung. Vorgestellt werden Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Beweggründen als Erwachsene noch einmal die Schulbank gedrückt haben. Eines ist den Portraitierten allerdings gemeinsam: für sie alle hat sich die Mühe gelohnt: Jobsicherheit, neue Berufsperspektiven oder ein gelungener Wiedereinstieg ins Arbeitsleben haben ihre Weiterbildungsbiografien zu ganz persönlichen Erfolgsgeschichten gemacht.
Teil
- Weiterqualifizierung in der Buchhaltung
- Nach Weiterbildung ausländische Gäste in Heimatsprache empfangen
- Vom Erzieher zum Vikar
- Vom Ingenieur zum Busfahrer
- Verkäuferin, Gabelstaplerfahrerin, Seniorenbetreuung
- Ausbildung zum Elektroniker
- Vom Fachpacker zum Staplerfahrer
- Umschulung zur Altenpflegerin
- Traumjob als Verkäufer
- Weiterbildung zum Techniker und Betriebswirt
Alle sind damit Vorbilder und können, andere Menschen motivieren sich auch auf den Weg zu machen.
Serie des Arbeitskreises Weiterbildung im Verein MitteHessen, Teil 4
Ingenieur als Busfahrer wieder erfolgreich: Alexander Nzang Ejume
Der Ingenieur aus Kamerun hat keinen in Deutschland anerkannten Abschluss, seine Fachrichtung Petrochemie hat in Deutschland keine Entsprechung. Doch davon ließ sich der gläubige Christ nicht entmutigen.
Die Liebe hat den 47-Jährigen vor acht Jahren einst nach Deutschland geführt. Dass er einmal Schwierigkeiten haben würde, sich seine Berufsausbildung anerkennen zu lassen, hätten er und seine deutsche Ehefrau allerdings nicht erwartet: „Das ist Bürokratie“, seufzt er, das sei wohl überall in der Welt dasselbe. Trotz akademischer Ausbildung war er 2005 froh, einen festen Job gefunden zu haben, mit dem er seine Familie ernähren konnte. Fünfeinhalb Jahre arbeite er als Maschinenführer in einem Betrieb in Gladenbach, als im vergangenen Jahr die betriebsbedingte Kündigung kam. „Aus heiterem Himmel“, wie er betont. Für den zweifachen Familienvater eine Katastrophe. Auch aufgrund gesundheitlicher Probleme blieben seine Bewerbungsbemühungen bis Anfang 2011 erfolglos. „Die Enttäuschung war riesig“, erzählt Ejume. Als die Wetzlarer Arbeitsagentur ihm dann eine Weiterbildung zum Busfahrer anbot, habe er sofort zugegriffen. Bei der SVG Verkehrs-Fachschule absolvierte er von April bis Ende Juni 2011 einen Intensivkurs. „An Werktagen hatten wir von 8 bis 16 Uhr Theorie, dann war die Praxis dran – manchmal auch an den Wochenenden“, erzählt der Lahnauer von seiner Umschulungsmaßnahme. Auf die Schule lässt er nichts kommen: „Die bilden einen wirklich zum Profi aus.“ Das anspruchsvolle Programm habe allerdings seine „Opfer“ gefordert. Von den zwölf Kursteilnehmern seien am Schluss noch sechs übrig gewesen, die wie er zur Prüfung antraten. „Schwierig waren vor allem die Fachbegriffe, aber alles ist lernbar“, erzählt er weiter. Die Motivation dazu müsse von innen kommen, Druck von außen nützte da nichts.
Es schwingt auch ein wenig Stolz über die eigene Leistung mit in Ejumes Ausführungen und die Freude an der Verbesserung seiner Lebensumstände ist ihm anzumerken. Nach der erfolgreichen Abschlussprüfung stellt sich die berufliche Situation für Ejume, der sich ehrenamtlich als Vorsitzender des Vereins für Entwicklungshilfe und Kulturaustausch mit Kamerun e.V. AMUE um seine alte Heimat kümmert, nun viel besser dar. Gleich mehrere Firmen hatten Interesse an einer Anstellung. Zwei Monate nach dem Ende hat er eine Stelle bei den Gießener Stadtwerken angetreten. „Ich kann Menschen nur ermutigen, mit der Arbeitsagentur Kontakt aufzunehmen und persönlich an ihrer beruflichen Perspektive zu arbeiten – es lohnt sich für einen persönlich, aber auch für die Familie, für Wirtschaft und Gesellschaft.“
Agentur für Arbeit
Die Agenturen für Arbeit beraten Weiterbildungswillige über Fördermöglichkeiten und Förderprogramme. Sie unterstützen nicht nur die berufliche Weiterbildung von arbeitslos gewordenen Menschen, auch für die berufliche Qualifizierung Beschäftigter gibt es eine Vielzahl passgenauer Weiterbildungsangebote. Ob die Arbeitsagenturen zudem die Kosten für eine Qualifizierung im Rahmen der beruflichen Weiterbildungsförderung übernehmen können, hängt von verschiedenen Voraussetzungen ab. Zum Beispiel davon, ob die Notwendigkeit einer Weiterbildung wegen Qualifikationsdefiziten gegeben ist. Interessenten sollten sich deshalb möglichst frühzeitig bei der örtlichen Agentur für Arbeit beraten lassen. Liegen die Voraussetzungen für eine Förderung im individuellen Fall vor, kann der Antragsteller einen „Bildungsgutschein“ bekommen, mit dem die Übernahme der Kosten zugesichert wird. Ansprechpartner für Fragen der beruflichen Weiterbildung ist die für Ihren Wohnort zuständige Agentur für Arbeit. Beschäftigte können sich auch an die Agentur für Arbeit am Betriebssitz ihres Arbeitgebers wenden.





