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Serie: Weiterbildung zahlt sich aus

Gruppenfoto des Arbeitskreises Weiterbildung im Verein MitteHessen

Arbeitskreis Weiterbildung

Am Wochenende des 10./11. September 2011 starteten der Gießener Anzeiger und die Zeitungsgruppe Lahn-Dill in Kooperation mit dem Arbeitskreis Weiterbildung im Regionalmanagement Mittehessen eine zehnteilige Artikelserie zum Thema berufliche Weiterbildung. Vorgestellt werden Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Beweggründen als Erwachsene noch einmal die Schulbank gedrückt haben. Alter, Geschlecht, Bildungsgrad und Berufsqualifikation sind dabei so unterschiedlich wie die alltägliche Arbeitsrealität. Eines ist den Portraitierten allerdings gemeinsam: für sie alle hat sich die Mühe gelohnt: Jobsicherheit, neue Berufsperspektiven oder ein gelungener Wiedereinstieg ins Arbeitsleben haben ihre Weiterbildungsbiografien zu ganz persönlichen Erfolgsgeschichten gemacht. Alle sind damit Vorbilder und können, andere Menschen motivieren sich auch auf den Weg zu machen.

Weder unsere private noch unsere berufliche Zukunft lassen sich langfristig bis ins Detail planen. Rasante technologische Entwicklungen, das rasche Veralten von Wissen und die zunehmende Globalisierung von Wirtschaftsprozessen stellen hohe Anforderungen an die fachlichen Qualifikationen der arbeitenden Bevölkerung. „Eine Berufsausbildung ist ein solides Fundament für die berufliche Zukunft“, sagt Angelika Berbuir, Vorsitzende der Geschäftsführung der Wetzlarer Arbeitsagentur, und Leiterin des Arbeitskreises Weiterbildung im Regionalmanagement Mittelhessen. „Die schnellen technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen erfordern jedoch eine dauerhafte Anpassung und ein ständiges Weiterlernen. Lebenslanges Lernen ist nicht nur wichtig für die Beschäftigungssicherheit, sondern auch für die soziale Eingliederung, die Lebensqualität und persönliche Entfaltung des Einzelnen.“

Die Region Mittelhessen mit ihren Bildungsträgern hat sich aufgemacht, das Thema Weiterbildung als ein wesentliches Element der strategischen Fachkräftesicherung zu positionieren. Dies ist mit Blick auf die hohe Industriedichte in Mittelhessen sowie die stark vertretenen Zukunftsbranchen Medizinwirtschaft, optische Industrie und Automotive eine herausragende Zukunftsaufgabe. Vom Nutzen der Weiterbildung ist auch Professor Ulrich Vossebein überzeugt. Der leitende Direktor des Hochschulzentrum für Weiterbildung an der Technische Hochschule Mittelhessen streicht den Nutzen der Weiterbildung für die Region heraus: „Bildung ist in Mittelhessen Standortfaktor. Eine Region hat nur eine Zukunftschance, wenn Sie über gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte verfügt. Durch unsere vernetzende Arbeit in dem Bereich Bildung und speziell Weiterbildung tragen wir den Herausforderungen Rechnung.“

Auch bei Sascha Drechsel, Leiter der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit der Bezirksgruppe Mittelhessen beim Verband der Metall- und Elektro-Unternehmen in Hessen HESSENMETALL, genießt das Thema Weiterbildung einen hohen Stellenwert: „Die Bedeutung der betrieblichen Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist bei unseren heimischen Unternehmen angekommen. Für die Betriebe ermöglicht eine Investition in Weiterqualifizierung eine aktive Zukunftssicherung, denn eine qualifizierte Belegschaft steigert die Wettbewerbsfähigkeit auf deutschen und internationalen Märkten.“

Martin Neumeier, Geschäftsleiter der Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Gießen (VWA), kann diese Einschätzung aus Sicht der Weiterbildungsanbieter nur bestätigen: „Eigeninitiative lohnt sich. Mitarbeiter, die sich nebenberuflich fortbilden, sind für Unternehmen durch das aktuelle Fachwissen wertvoll - und erarbeiten sich dadurch Karrierechancen. Davon berichten unsere Absolventen immer wieder."

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Serie des Arbeitskreises Weiterbildung im Verein MitteHessen, Teil 1

Dank Weiterqualifizierung neues Aufgabengebiet gefunden

10.09.2011 • Windeln wechseln, Kinderarzttermine wahrnehmen, Schulaufgaben kontrollieren, zum Sportverein fahren, Weihnachtsfeste und Kindergeburtstage organisieren, Butterbrote schmieren, aufräumen, Wäsche waschen, einkaufen, putzen – dass der Job als Hausfrau und Mutter vielfältig und anstrengend ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Trotz allem will ein großer Teil der Frauen wieder in den Job zurück. Auch Beate Wießner wollte das, und hat nach acht Jahren Kinderpause den Wiedereinstieg geschafft.

Portrait von Beate Wießner

Beate Wießner

„Erst hab ich stundenweise, dann halbtags gearbeitet“, erinnert sich die Rabenauerin. Mit dem Wechsel zu ihrem derzeitigen Arbeitgeber IT-POS hat sie seit sieben Jahren ihre berufliche Heimat im Gießener Europaviertel gefunden. „Es hätte alles so schön sein können“, erzählt sie heute mit einem Augenzwinkern. Aber ihr Chef Sigmar Petrick wollte die Firma organisatorisch neu aufstellen und rechnete fest mit der heute 51-Jährigen. Geplant war, die Buchhaltung von einem externen Buchhaltungsbüro schrittweise in ihr Aufgabengebiet zu integrieren. „Doch da stieß ich fachlich rasch an meine Grenzen: Meine Ausbildung als Industriekauffrau liegt über 30 Jahre zurück. Und Buchhaltung wurde darin ohnehin nur am Rand behandelt.“ Und genau dieser Bereich sollte ihr nun übertragen werden.

Beratung tat Not, aber kompetente Hilfe war nah. Holger Fischer, Qualifizierungsbeauftragter des Landkreis Gießen, sitzt im gleichen Gebäude wie IT-POS und kann nicht nur in solchen Fällen weiterhelfen. „Herr Fischer hat mich in einem ausführlichen Beratungsgespräch professionell dabei unterstützt, eine geeignete Qualifizierungsmaßnahme für unsere Mitarbeiterin Frau Wießner zu finden“, erinnert sich IT-POS-Inhaber Petrick. Das Mittel der Wahl: Ein passgenauer Weiterbildungskurs zum Thema Buchhaltung, deren Kosten durch den Qualifizierungsscheck auch noch zu 50 Prozent vom Land Hessen übernommen wurden.

Sechs Monate pendelte Wießner daraufhin samstags von Kesselbach nach Frankfurt und büffelte die gesetzlichen Grundlagen einer ordnungsgemäßen Buchführung, Kontokurrent- und Anlagenbuchhaltung ebenso wie Handelsrechtliche Bewertungsvorschriften. Ein anspruchsvolles Programm sei das gewesen, erinnert sie sich, und eine Herausforderung. Schließlich sei sie eine der ältesten unter den weiteren Kursteilnehmern gewesen. „Aufgeben wollte ich natürlich nicht“, erzählt Wießner, und hat es auch nicht getan: Nach 120 Unterrichtsstunden schloss sie den Lehrgang erfolgreich mit einem IHK-Zertifikat ab. „Besonders freut mich, dass ich aufgrund meiner besseren Qualifikation nun weitere Aufgaben von meinem Arbeitgeber übertragen bekomme. Positiver Nebeneffekt: Meine halbe Stelle wurde auf 35 Stunden in der Woche erhöht, was mir persönlich sehr entgegenkommt. Die erworbene Zusatzqualifikation bietet mir zudem mehr Sicherheit beim Erhalt meines Arbeitsplatzes."

Auch Sigmar Petrick ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Mir als Unternehmer hat das Förderprogramm sehr geholfen. Der Qualifizierungsscheck stellte dabei einen wichtigen Anreiz dar. Durch die höhere Qualifizierung unserer Mitarbeiterin sind wir nun in der Lage, unsere Buchhaltung selbst zu machen.“

Beate Wießner war zuvor gar nicht bekannt, welche Fördermöglichkeiten es für Weiterbildungsmaßnahmen es gibt: „In den Firmen, in denen ich gearbeitet habe, war das überhaupt nicht bekannt.“ Sonst hätte sie womöglich schon früher den einen oder anderen Lehrgang gemacht. Dass sie es nach so vielen Jahren Weiterbildungspause geschafft habe, mache sie aber auch ein wenig stolz: „Weiterbildung fordert einen, aber wenn man sich überwunden hat, dann macht‘s sogar Spaß - aber ohne Fleiß kein Preis!“.

Qualifizierungsoffensive Landkreis Gießen

Die Qualifizierungsoffensive Landkreis Gießen ist seit 1999 für kleine und mittlere Unternehmen ein kompetenter Ansprechpartner in allen Fragen der beruflichen Weiterbildung. Wir unterstützen Betriebe, passgenaue Weiterbildungsmaßnahmen für die eigene Belegschaft zu finden und beraten diese zum Beispiel hinsichtlich spezieller Fördermöglichkeiten, wie etwa zum Qualifizierungsscheck des Landes Hessen. Bestimmten Zielgruppen können hier einen jährlichen Zuschuss bis zu 500 Euro für ihre berufsbezogenen Weiterbildungsmaßnahmen erhalten.

Teil

  1. Weiterqualifizierung in der Buchhaltung
  2. Nach Weiterbildung ausländische Gäste in Heimatsprache empfangen
  3. Vom Erzieher zum Vikar
  4. Vom Ingenieur zum Busfahrer
  5. Verkäuferin, Gabelstaplerfahrerin, Seniorenbetreuung
  6. Ausbildung zum Elektroniker
  7. Vom Fachpacker zum Staplerfahrer
  8. Umschulung zur Altenpflegerin
  9. Traumjob als Verkäufer
  10. Weiterbildung zum Techniker und Betriebswirt

Weiterbildung ist auf dem Vormarsch, auch wenn dieses wichtige Thema noch nicht bei allen Entscheidern und Arbeitnehmern angekommen ist. Diese Artikelserie soll dazu beitragen, auch diejenigen vom Nutzen des lebenslangen Lernens zu überzeugen, die noch zögern. Denn Weiterbildung nutzt Menschen und Unternehmen gleichermaßen. Mehr Informationen zu Weiterbildungsangeboten und Fördermöglichkeiten finden Sie unter www.weiterbildung-mittelhessen.de

 
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