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Serie: Weiterbildung zahlt sich aus

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Im Herbst 2011 starteten der Gießener Anzeiger und die Zeitungsgruppe Lahn-Dill in Kooperation mit dem Arbeitskreis Weiterbildung im Regionalmanagement Mittehessen eine Artikelserie zum Thema berufliche Weiterbildung. Vorgestellt werden Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Beweggründen als Erwachsene noch einmal die Schulbank gedrückt haben. Eines ist den Portraitierten allerdings gemeinsam: für sie alle hat sich die Mühe gelohnt: Jobsicherheit, neue Berufsperspektiven oder ein gelungener Wiedereinstieg ins Arbeitsleben haben ihre Weiterbildungsbiografien zu ganz persönlichen Erfolgsgeschichten gemacht.

Teil

  1. Weiterqualifizierung in der Buchhaltung
  2. Nach Weiterbildung ausländische Gäste in Heimatsprache empfangen
  3. Vom Erzieher zum Vikar
  4. Vom Ingenieur zum Busfahrer
  5. Verkäuferin, Gabelstaplerfahrerin, Seniorenbetreuung
  6. Ausbildung zum Elektroniker
  7. Vom Fachpacker zum Staplerfahrer
  8. Umschulung zur Altenpflegerin
  9. Traumjob als Verkäufer
  10. Weiterbildung zum Techniker und Betriebswirt

Alle sind damit Vorbilder und können, andere Menschen motivieren sich auch auf den Weg zu machen.

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Serie des Arbeitskreises Weiterbildung im Verein MitteHessen, Teil 8
Karin Andree lernt Altenpflegehelferin

„Es war das Beste, was ich machen konnte“

05.11.2011 • In Zeiten, in denen 45-Jährige allgemein als schwer vermittelbar gelten, ist diese Nachricht schon eine kleine Überraschung: Altenpflege-Umschüler profitieren von ihrem Plus an Lebenserfahrung und haben bessere berufliche Perspektiven als (die zumeist jüngeren) Azubis in der Erstausbildung, sagen ihre Ausbilder. Das ergab schon vor einigen Jahren eine Studie des Instituts für angewandte Pflegeforschung der Universität Bremen im Auftrag der Stiftung Warentest. Begehrt sind die Umschüler immer noch, Karin Andree kann diese Einschätzung voll bestätigen.

Portrait von Karin Andree

Karin Andree

Die Dillenburgerin hatte nach ihrer Umschulung jedenfalls keine Schwierigkeiten, einen Arbeitgeber in ihrer Nähe zu finden. Auch wenn die Berufsaussichten rosig sind und auf dem Arbeitsmarkt dringend nach Altenpflegerinnen gesucht werde - „um bis dahin zu kommen, braucht man schon ganz schön viel Motivation und Durchhaltevermögen“, sagt Andree.

18 Jahre war die 45-Jährige wegen der Erziehung ihrer drei Kinder zu Hause geblieben. „Irgendwie war das ja normal in meiner Generation“, erzählt sie. Als sie sich 2004 entschloss, ins Berufsleben zurückzukehren, verlief der Wiedereinstieg zunächst auch glatt. Sechs Jahre arbeitete sie in einem Betrieb, der Flugzeugküchen produzierte, in ihrem Wohnort Oberscheld. Kurzer Arbeitsweg, aber natürlich ohne Jobgarantie, wie sich herausstellen sollte. Als der Standort im vergangenen Jahr geschlossen wurde, erhielt auch sie die Kündigung. „Dann begann eine schwierige Zeit“, erinnert sie sich, „ohne Ausbildung war die Jobperspektive nicht gerade rosig“. Als die Vermittlerin von der Dillenburger Agentur für Arbeit ihr dann vorgeschlagen habe, in den Bereich Altenpflege einzusteigen, habe sie sofort zugesagt: „Das war ein ideales Angebot, das wollte ich eigentlich schon immer machen“.

Dass Altenpflege Knochenarbeit bedeutet und angesichts von Leiden und Tod ihrer Patienten auch seelisch belastend sei, habe sie gewusst. Gestöhnt habe sie anfangs aber schon einmal, als sie in der Theorie-Phase in der Wetzlarer Altenpflegeschule Königsberger Diakonie ungewohnte acht Stunden die Schulbank drücken musste: „Doch dann habe ich es als Herausforderung begriffen und heute muss ich sagen, es war das Beste, was ich machen konnte.“

Ihre Motivation schlug sich auch in ihrer schulischen Leistung nieder. Karin Andree legte die beste Prüfung ihrer Klasse hin – und das obwohl sie zu denjenigen gehörte, die ihre Schulzeit schon lange hinter sich hatten. „Wir Älteren haben uns eigentlich gut zurechtgefunden, der Umgang und die Ausdrucksweise unserer jüngeren Klassenkameraden untereinander war allerdings schon ungewohnt.“ Auch mit dem anspruchsvollen Lehrplan seien wohl nicht alle zurechtgekommen, erzählt Andree. Von 36 Schülern hätte genau die Hälfte bis zur Abschlussprüfung durchgehalten.

Nach dem Praxisteil der Weiterbildung, die sie im Herborner Haus des Lebens absolvierte, und einem kurzen Intermezzo im DRK-Pflegezentrum ebenfalls in Herborn, arbeitet Andree heute in der ambulanten Pflege der Diakoniestation Dillenburg. „Das liegt mir mehr. Es ist irgendwie familiärer und außerdem gibt man damit Menschen die Möglichkeit, so lange wie möglich zuhause zu bleiben.“

Mit Blick auf die eigenen Erfahrungen rät die frisch gebackene Altenpfleghelferin Frauen in ähnlichen Situationen den Schritt zu wagen und noch einmal etwas völlig Neues zu machen. „Allerdings würde ich vorher ein Praktikum machen und mich genau informieren, ob der neue Beruf auch wirklich etwas für mich ist. Man muss ehrlich zu sich sein und realistisch einschätzen: Kann ich das, will ich das.“

Eines will Karin Andree allerdings nicht mehr: Einen unsicheren Job haben, „bei dem man als Ungelernte immer die Erste ist, die in der Krise gehen kann. Das will ich mir mit Mitte 40 nicht mehr antun.“

Agentur für Arbeit

Die Agenturen für Arbeit beraten Weiterbildungswillige über Fördermöglichkeiten und Förderprogramme. Sie unterstützen nicht nur die berufliche Weiterbildung von arbeitslos gewordenen Menschen, auch für die berufliche Qualifizierung Beschäftigter gibt es eine Vielzahl passgenauer Weiterbildungsangebote. Ob die Arbeitsagenturen zudem die Kosten für eine Qualifizierung im Rahmen der beruflichen Weiterbildungsförderung übernehmen können, hängt von verschiedenen Voraussetzungen ab. Zum Beispiel davon, ob die Notwendigkeit einer Weiterbildung wegen Qualifikationsdefiziten gegeben ist. Interessenten sollten sich deshalb möglichst frühzeitig bei der örtlichen Agentur für Arbeit beraten lassen. Liegen die Voraussetzungen für eine Förderung im individuellen Fall vor, kann der Antragsteller einen „Bildungsgutschein“ bekommen, mit dem die Übernahme der Kosten zugesichert wird. Ansprechpartner für Fragen der beruflichen Weiterbildung ist die für Ihren Wohnort zuständige Agentur für Arbeit. Beschäftigte können sich auch an die Agentur für Arbeit am Betriebssitz ihres Arbeitgebers wenden.

 
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