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Interview mit Dieter Posch

Dieter Posch, Hessischer Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung

Herr Posch, warum trifft sich Hessen als einziges Bundesland auf der Expo Real mit der Immobilienwirtschaft?

Die Immobilienwirtschaft ist der Bereich, der bei der Projektentwicklung eine ganz wichtige Rolle spielt, alle Investitionen haben ja letztlich irgendetwas mit der Immobilienbranche zu tun. Deswegen treten wir hier in einen Gedankenaustausch ein, der für alle hessischen Regionen, die hier vertreten sind, besonders bedeutsam ist.

Stichwort demografische Entwicklung: Was kommt hier auf die Immobilienwirtschaft und die Verwaltungen auf regionaler und Landesebene zu?

Wir haben eine demografische Entwicklung, die dazu führt, dass es in Zukunft weniger Menschen geben wird. Dies ist gleichzeitig verbunden mit einer Konzentration auf die Metropolen, während andere Regionen in unterschiedlicher Intensität eine Bevölkerungsabnahme verzeichnen werden. In den Ballungsräumen führt diese Entwicklung jetzt schon zu einem Trend „Zurück in die Innenstädte“, auf den die Immobilienwirtschaft reagieren muss und dies teilweise auch schon tut. In ländlichen Regionen, die von einem Bevölkerungsrückgang betroffen sind, wird das dazu führen, dass ein Bauen auf der grünen Wiese dann weitgehend der Vergangenheit angehören wird. Für eine intakte Wirtschaft wird die Frage einer gut ausgebauten Verkehrsinfrastruktur zwischen den Ballungsräumen an Bedeutung gewinnen.

Wie beurteilen Sie den Messeauftritt Region Mittelhessen?

Wir haben in Hessen unterschiedliche Regionen, die mit unterschiedlichen Profilen werben können, was ich gesamthessisch als Standortvorteil sehe. Eine besonders zukunftsträchtige Region ist Mittelhessen, die im Bereich der Medizintechnik und der optischen Industrie hervorragende Unternehmen hat. Auch der Bereich Logistik wird hier zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ich freue mich, dass die Region Mittelhessen über seinen Regionalmanagementverein hier auf der Messe in hervorragender Weise vertreten ist.

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„Selbstbewusste Regionen als Standortvorteil“

Wirtschaftsminister Dieter Posch besucht Mittelhessenstand auf Expo Real

06.10.2009 • Der Hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch war voll des Lobes über den Auftritt der Region Mittelhessen, als er heute den Gemeinschaftsstand von 18 privaten und öffentlichen Standpartnern der Region auf der größten europäischen Messe für Gewerbeimmobilien, der Expo Real in München, besuchte. „Professionell“ präsentiere sich die Wissensregion Mittelhessen mit ihrer facettenreichen Wirtschaft den Messebesuchern und damit potenziellen Investoren aus der ganzen Welt. Auch die Standteilnehmer berichteten an Tag zwei der Expo von interessanten, teilweise viel versprechenden Gesprächen.

Dieter Posch und sechs mittelhessische Politiker

Minister mit Vertretern aus vier mittelhessischen Landkreisen

„Die herausragende Lage zu den europäischen Märkten macht Hessen zu einer der stärksten Wirtschaftsregionen Europas. Investoren treffen hier auf attraktive Standortfaktoren, eine hervorragende Verkehrsinfrastruktur sowie selbstbewusste Regionen mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Ausrichtungen. Diese müssen weiter entwickelt und untereinander vernetzt werden“ – dieses Fazit zog der Hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch beim Forum „Hessen – Dialog mit der Immobilienwirtschaft“, das am zweiten Tag der Expo Real Entwicklungsperspektiven des Bundeslandes und seiner Regionen vor dem Hintergrund übergreifender Prozesse wie Demografie und Nachhaltigkeit skizzierte. Geladen waren neben Staatsminister Posch rund 40 Teilnehmer aus der Immobilienbranche sowie Vertreter der Regionen Rhein-Main, Fulda, Nord- und Mittelhessen.

Dr. Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen, verwies bei der Vorstellung der Region Mittelhessen auf die höchste Studierendendichte Hessens: „Dieses Potenzial ist ein klarer Standortvorteil und wird auch jetzt schon genutzt“. Er machte deutlich, dass Mittelhessen über wirtschaftliche Schwerpunkte in den Branchen Optoelektronik, Medizinwirtschaft und Biotechnologien verfüge, die im Zuge von Cluster-Initiativen weiter ausgebaut werden. Auf ein weiteres Entwicklungspotenzial im Bereich Logistik wies der Geschäftsführer des Vereins MitteHessen und Hauptgeschäftsführer der IHK Gießen-Friedberg, Dr. Mattias Leder hin. Qualifiziertes Personal bräuchten Firmen bei einer Ansiedlung erst gar nicht in die Region holen, sagte er und verwies auf den Studiengang Logistik an der Fachhochschule Gießen-Friedberg.

Auch Jens Ihle, Regionalmanager beim Verein MitteHessen, sieht große Chancen für den Ausbau der Logistikbranche in der Region und erläuterte zahlreiche Aktivitäten des Vereins in diesem Bereich: Aktuell werde mit einer in Auftrag gegebenen Untersuchung ermittelt, welche Bereiche der Branche sich am besten für Ansiedlungen und die Bildung eines Logistik-Clusters eignen. „Netzwerkmanager und politische Entscheidungsträger benötigen fundierte Informationen, um Strategien zu formulieren, Arbeitserfolge zu überprüfen und ihre Aktivitäten zu kommunizieren. Geeignete Instrumente des Clustermanagements werden daher immer wichtiger“, so Ihle weiter.

Am Gemeinschaftsstand der Region widmeten sich die Messeteilnehmer auch am zweiten Tag weniger perspektivisch-strategischen Überlegungen als vielmehr realen Geschäftsanbahnungen. Petra Stuhlmann von der Wirtschaftsförderung der Stadt Gießen berichtet von interessanten Gesprächen hauptsächlich über das Entwicklungspotenzial der städtischen Konversionsflächen. Vor allem innenstadtnahe Areale und großräumige Gewerbeflächen mit Bahnanschluss hätten im Fokus der Projektentwickler und internationaler Unternehmen gestanden – über beides verfügt die Stadt nach dem Abzug der Bundeswehr und der amerikanischen Garnison.

Auch Marcel Kremer will Grundstücke in München an den Mann respektive den Mieter bringen. Der Geschäftsführer der Grundstücksentwicklungsgesellschaft feuer-werk GmbH aus Dern ist mit der Aussteller-Premiere seines Unternehmens auf der Expo Real sehr zufrieden: „Man kann nirgendwo anders als auf der Expo in kurzer Zeit so viele konstruktive Gespräche führen wie hier.“ Die Grundstimmung von Ausstellern und Besuchern ist nach seiner Einschätzung „besser als im vergangenen Jahr, es macht sich nach meiner Einschätzung gedämpfter Optimismus breit.“

Vorsichtiger äußert sich da noch Gabriele Gotthardt, Leiterin der Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Tourismus beim Landkreis Gießen. Sie spricht von „deutlich weniger Fachbesuchern als Ausdruck der allgemeinen Finanzkrise“. Gleichwohl sei es wichtig, auf der Expo Real auch in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten präsent zu sein. „Der Wiedererkennungswert ist enorm wichtig, über eine kontinuierliche Teilnahme machen wir uns bei potenziellen Investoren bekannt.“ Auch wenn es schwierig sei, den Erfolg einer Messe wie der Expo Real zu messen, so habe sie es doch schon öfter erlebt, dass sich teilweise Monate nach der Veranstaltung Interessenten bei ihr gemeldet hätten, mit denen sie nie persönlich gesprochen habe: „Die haben sich Informationsmaterial mitgenommen, die Unterlagen studiert und haben dann gezielt mit uns Kontakt aufgenommen.“

Die Hans Dönges GmbH aus Biebertal gehört zu den vier Unternehmen, die erstmalig als Aussteller am Gemeinschaftsstand Mittelhessen auf der Expo teilnehmen. Mit dem Ergebnis der Premiere ist Geschäftsführer Alexander Dönges vollauf zufrieden: „Wir hatten schon an den beiden ersten Tagen viel versprechende Kontakte zu Bauherren, Architekten und Projektentwicklern.“ Das Unternehmen berät Kunden und Partner bei der Planung und Realisierung der technischen Gebäudeausrüstung und Elektrotechnik. Von Krisenstimmung spürt Dönges wenig, betont vielmehr die Qualität der Gespräche: „Wer jetzt am Markt ist, der hat konkrete Projekte.“

Wolfgang Liprecht, Leiter des Referates für Stadt-, Regional- und Wirtschaftsentwicklung der Stadt Marburg, verzeichnete vor allem Nachfragen zu Einzelhandelsflächen in der Universitätsstadt. Für Liprecht ein Beleg dafür, dass sich Projektentwickler und Vertreter von großen Einzelhandelsunternehmen gezielt auf die Messe vorbereiten und diese als Kontaktbörse nutzen. „Wir haben erst Anfang September eine Einzelhandelsstudie veröffentlicht und ins Internet gestellt. Trotzdem haben viele sich viele Interessenten darauf bezogen.“ In Marburg soll laut Liprecht ein innerstädtisches Einkaufszentrum mit einer Verkaufsfläche von maximal 12.000 Quadratmetern entstehen.

Eine gemischte Bilanz zieht Ulla Lupp, Vertreterin des Wetterauer Bauunternehmens Adolf Lupp GmbH, nach zwei Tagen Expo Real. „Ich schätze, dass sich das Minus bei den Ausstellern nicht auf die Anzahl der Besucher durchgeschlagen hat.“ Sie sei verhalten optimistisch, dass die wirtschaftliche Talsohle mittlerweile durchschritten sei. Die Auswirkungen der Finanzkrise hat ihr Unternehmen dennoch zu spüren bekommen: „Zwei Tochterunternehmen in Rumänien hätten sich gerne auch hier präsentiert, leider kam der Gemeinschaftsstand wegen der Absage anderer Unternehmen nicht zustande.“

 
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